Was zu feiern.

Es gab was zu feiern und wie so oft, wenn es was zu feiern gibt, wollten wir laufend davon geniessen. Wir machten uns also zu Fuß auf, um eine noch unbekannte Gegend zu erkunden und das Alltagsabenteuer mit einem Bierchen ausklingen zu lassen. Allerdings musste ich nach ein paar Kilometern und noch bevor wir den Späti erreichten, dringend zur Toilette. Wir liefen ein Stück weiter und fanden den perfekten Ort: eine alte Eckkneipe mit Butzenfenster. Beim Reinlaufen schlug mir ebenso abgestandener, wie frischer Zigarettenwalm entgegen. Der Tresen war leer und verlassen. Die ganze Kneipe schien leer. Bis auf zwei Gestalten in der hintersten Ecke an einem runden Stammtisch. Eine Frau mit schwarzem Hütchen und ein Mann mit Zigarette im Mundwinkel sorgten für den frischen Qualm. Vor ihnen standen zwei kristallene Sektflöten und die dazu gehörige Flasche im silberfarbenen Kühler.
«Dürfte ich kurz die Toilette benutzen?» fragte ich.
«Das kostet aber 50 Cent.» sagte die Frau.
«Nein, ach nein.» sagte der Mann.
Die Frau sah den Mann verdutzt an.
«Sie ist zwar die Chefin, aber nein du musst Nichts zahlen.» sagte der Mann vehement.
Ich sah die beiden an und lächelte. Dann lief ich durch die Tür, die in einen Gang führte, der am Hinterhof angeschlossen war und zu den Toiletten führte…Beim Rausgehen, bedankte ich mich noch «schöner Hut übrigens,» sagte ich zu der Chefin, die daraufhin lächelte.
«Schöne Locken.» sagte der Mann zu mir. «Setz dich doch,» grinste er.
«Mmmh. Mein Freund wartet draußen.»
«Bring ihn rein.»
«Naja, er mag keinen Rauch.»
«Ich hab auch E-Zigaretten…» sagte der Mann und zeigte mir eines dieser seltsamen Dinger.
«Nein, nein.” sagte die Frau zu dem Mann «Sie meint, er mag keine Zigaretten.»
«Genau,» sagte ich.
«Trinkt doch einen mit uns.» sagte der Mann. «Was möchtet ihr trinken?»
Er ließ nicht locker, ich musste lachen.
«Wollt ihr Sekt? Ihr könnt auch was zum Trinken mitnehmen. Rita, gib ihr doch zwei Pappbecher!»
Rita stand auf und lief zum Tresen, aber noch bevor sie die Pappbecher fand, drückte mir der Mann die Flasche aus dem Kühler in die Hand. „Da“ sagte er.
In der Flasche war noch gut ein Drittel leckerer, halbtrockener Rotkäppchensekt drin.
«Wow,» sagte ich «Das ist aber nett! Vielen Dank!» Ich bedankte mich noch mehrmals und versprach, demnächst auf ein Bier vorbei zu schauen.
Gerührt von der Großzügigkeit lief ich breit grinsend mit der Flasche meinem Freund entgegen, der wie immer die passende Zusammenfassung liefert. «So was passiert auch nur Dir….Und auch nur in Berlin.»