Ozeanlichtgestalten

Ahnungslos schwimme ich im tiefblauen Wasser eines Ozeans und genieße den gleichmäßigen Wellengang. Plötzlich taucht neben mir eine Meerjungfrau auf. Sie ist ungefähr so groß wie ich und hat wellawerbungmäßiges Haar mit kleinen Muschelhaarklammern. Sie lächelt mich an und erzählt mir von ihrer Familie. Erst lausche ich ihrer Stimme nur. Doch dann merke ich, dass beim Zuhören etwas Eigenartiges geschieht. Ich sehe die Welt nun durch ihre Augen, wie durch ein Vergößerungsglas. Was vorher schien wie Sonnenstrahlen, die sich auf dem Wasser brechen, erkenne ich nun als klitzekleine, lichtgestaltähnliche Nixen. Sie sind trotz des Vergößerungsblicks zig tausendmal kleiner als wir und ruhen in einem Schwarm im Wasser.

Die Meerjungfrau erzählt mir, dass sie sich in einen Menschen verliebt hat und fragt mich, ob ich ihr helfen will. Von irgendwo taucht nun ihr Verlobter neben uns auf. Alle drei werden wir wie durch Zauberhand auch zu winzigen Lichtgestalten. Wir schwimmen zu den anderen, die uns erstmal skeptisch beäugen. Als die Meerjungfrau anfängt zu sprechen hören alle ihr zu. Der Schwarm willigt zur Verlobung ein. Die Meerjungfrau und der Mensch bekommen ihr Verlobungsritual, das deren Liebe vierundzwanzig Stunden lang auf die Probe stellen soll: Die Meerjungfrau und ihr Verlobter werden zusammen in ein großes Tuch eingerollt, so dass sie eng nebeneinander liegen, eingewickelt wie Anne Geddes Babies.